Original
2002-09-00 Bremen (75)
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Familie Klemke

Naturgesetz Journal

Wenn man glücklich ist, müsste doch alles andere zweitrangig sein.

... Da es in Deutschland noch keine Maharishi Schule gibt, haben auch Laura und Samuel Klemke eine normale Schule in der Nähe von Lübeck besucht. Wie das als Gitarren-Duo ausserordentlich erfolgreiche Geschwisterpaar seine Entwicklung beurteilt, lesen Sie im nachfolgenden Interview. Wir haben es mit ihnen und ihren Eltern Ute und Tobias Klemke geführt.
Foto: UDO CORLEIS
„Nichts ist schöner als der Klang einer Gitarre - es sei denn vielleicht der Klang zweier Gitarren“, fand Fredéric Chopin. Warum, das weiss man spätestens, wenn man Laura (Jg. 1981) und Samuel (Jg. 1978) Klemke auf der Konzertgitarre erlebt. Seit ihrem vierten Lebensjahr erhielten beide Gitarrenunterricht vom Vater. Mit fünf und acht Jahren traten Sie erstmals im Fernsehen auf und wurden seither mit Preisen überschüttet. Allein bei „Jugend musiziert“ gewannen sie solistisch und als Duo dreizehnmal den ersten Preis. Sie feierten Erfolge bei mehr als 300 internationalen Bühnenauftritten und Einspielungen von Rundfunkkonzerten. Zur Zeit studieren sie bei Prof. Monika Rost in Weimar. Nächster Höhepunkt in der Reihe vieler erfolgreicher Konzerte wird ein Auftritt in der Konzertreihe „Konzerte auf Henkellsfeld“, das am 25. Oktober in Wiesbaden stattfindet. www.klemke.de
Foto: CLAUS BACH

Laura und Samuel, was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
SAMUEL: Das wichtige war erstens, dass unser Vater jeden Tag zu Hause übte und zweitens, dass wir ab vier Jahren täglich Unterricht erhielten.

Zwanzig Jahre üben heisst auch zwanzig Jahre durchhalten. Woher kommt die Motivation?
LAURA: Am Anfang wurde es uns nie zu viel. Wir durften ja nicht so viel üben, wie wir wollten. Da freuten wir uns dann schon auf den nächsten Tag. So ging das die ersten Jahre. Danach gehörte es einfach zum Tag dazu, wie Essen oder Zähneputzen.

Und was macht den Künstler?
TOBIAS: Der Mensch lebt, um glücklich zu sein. Für mich führte der Weg dorthin schon lange über die Transzendentale Meditation. Aber zusätzlich musste ich Musik machen. Ich dachte, dadurch werde ich glücklich. Aber eigentlich bin ich glücklich geworden durch das Transzendieren, nicht durch die Musik. Also dachte ich, wenn ein Mensch neu geboren wird, wenn ich ihm von Anfang an das gebe, was er eigentlich will, nämlich glücklich sein, und er das aus sich selbst produzieren kann, dann müsste eigentlich alles andere, was er macht, zweitrangig sein. Das Mittel zum Glücklichsein bringt er ja schon mit.

In vielen Künstlerbiografien liest man, der Weg zum Glück war die Kunst. Alles Unsinn?
TOBIAS: Ich glaube nicht daran. Wir haben unseren Kindern TM gegeben. Damit hatten sie das wichtigste, um Probleme zu vermeiden, Stress zu verarbeiten und glücklich zu sein. Und mein Wunsch war es, dass unsere Kinder Künstler werden, Musiker. Ich habe gedacht, wir probieren das, und wenn es nicht geht, dann lassen wir los.

Entwickelt sich das Gitarrenspiel zum Beruf?
LAURA: Für mich ist es eigentlich immer noch eher ein Hobby. Natürlich müssen wir auch mal etwas an einem Stück arbeiten, z.B. vor einem Konzert, aber vom Empfinden her ist es für uns beide eher ein Hobby, es hat nichts mit Anstrengung zu tun.

Wie viel Zeit haben Sie während der Schulzeit mit dem Üben verbracht?
LAURA: Nicht mehr als eine Stunde am Tag.
TOBIAS: Öffentlich kann man das allerdings kaum sagen. Dass wir nicht wenigstens vier Stunden am Tag üben, glaubt keiner. Drei, vier Konzertprogramme auswendig spielen, ohne Stress, das gibt es nicht.
LAURA: Es kommt ja auch drauf an, wie man übt. Man kann auch in einer Stunde schaffen, wofür ein anderer vielleicht vier braucht.
SAMUEL: Dazu kommt, dass die Auffassungsgabe und das Lernen vom Gehirn her sehr gut funktionieren. Woran mag das wohl liegen?
UTE: Die Kinder sind mit TM gross geworden. Für sie war es von Anfang an ganz natürlich, schnell und ohne Anstrengung voran zu kommen.
SAMUEL: In der Schule habe ich gemerkt, dass andere Schüler immer ziemlich gebüffelt haben, um gute Ergebnisse zu erreichen.

Waren Sie ein guter Schüler?
SAMUEL: Abiturnote 1

Und Sie Laura?
LAURA: Meine Abiturnote ist 1,9. Mir ist das Lernen immer sehr leicht gefallen.

Immer mehr Eltern verklagen die Lehrer ihrer Kinder, weil sie meinen, die Zensuren stimmen nicht. Was ist Ihre Meinung dazu?
TOBIAS: Sie können sich denken, dass wir sowohl zu den Schulen, als auch zu den Lehrern eine Menge Verbesserungsvorschläge machen könnten. Wir haben uns aber zuerst die Frage gestellt: Was können wir zu Hause tun. Da muss man sich schon hineinknien, sensibel auf die Fragen der Kinder reagieren, ihnen Erklärungen, Hilfestellungen geben. Unsere Kinder hatten Spass an der Schule und wir haben sie nie schlecht über Lehrer reden hören. Die haben es einfach so genommen, wie es war.
UTE: Wenn Kinder und Lehrer einander annehmen wie sie sind, dann ist das schon mal eine gute Voraussetzung. Auch die Kinder müssen lernen, tolerant zu sein.
SAMUEL: Wenn man als Kind die Eltern schlecht über die Lehrer reden hören würde, wäre doch die nächste Frage: Was kann ich denn von denen eigentlich lernen?

Was könnte man besser machen an den Schulen in Deutschland? Wäre TM im Unterricht eine Hilfe?
SAMUEL: Wahrscheinlich, denn es liegt weniger an den Schulen, als an den Menschen, die da hin gehen. Die Lernfähigkeit ist zu schwach und die Ablenkung zu gross. Die grossen Städte haben schlechtere Schüler als auf dem Land. Da stimmt etwas mit der Konzentrationsfähigkeit nicht.
LAURA: Vielleicht liegt es auch an der Grösse der Schulen und der Klassen. Ausserdem meine ich, dass die Lehrer sich mehr um einzelne Schüler kümmern müssten. Besonders um schwächeren und solche, die unterfordert sind.
UTE: Ich finde auch das „Sitzenbleiben“ nicht gut. Es gibt immer mal schwierige Phasen bei Kindern, aber wenn sie zu Hause einen Rückhalt haben, dann kommen die da schon durch.
TOBIAS: Meine Eltern waren geschieden. Und womit habe ich mich beschäftigt in der Schulzeit? Mit den Problemen meiner Eltern. Mit Dingen, die nicht in den Kopf eines Kindes gehören. Ich habe mich in meiner Studienzeit sozial sehr engagiert und festgestellt: Wenn bei Jugendlichen etwas nicht stimmte, war da meistens in der Beziehung zu den Eltern etwas in Unordnung.

Sollte man Probleme immer von den Kindern fernhalten? Irgendwann sind sie auf sich allein gestellt.
TOBIAS: Fernhalten heisst ja nicht, dass man keine Probleme hat. Es kommt darauf an, ihnen vorzuleben, dass und wie man Probleme lösen kann. Wir haben immer alles mit unseren Kinder besprochen.
UTE: Ich glaube auch, dass es sehr wichtig ist, dass nicht beide Elternteile arbeiten gehen, wenn die Kinder aufwachsen. Wenigstens einer sollte immer da sein. Die Kinder können sich zwar an alles gewöhnen, aber es belastet sie.

Stichwort: Problemlösungskompetenz der Kinder, haben Sie das Ziel erreicht?
TOBIAS: (an die Kinder): Könnt ihr eure Probleme selber lösen?
SAMUEL (lacht): Haben wir Probleme?

Seit wann machen Sie Transzendentale Meditation?
LAURA: Seit ich denken kann.
TOBIAS: Die Kinder sind auf die Welt gekommen und wurden begrüsst mit einem Geburtsmantra. Eine wunderschöne Sache, die hat es früher mal von Maharishi gegeben.
SAMUEL: Ansonsten eben so wie es vorgesehen ist. Erst die Kindertechnik, mit zehn die Erwachsenentechnik, dann mit vierzehn haben wir die TM-Sidhis bekommen und mit sechzehn Jahren das Yogische Fliegen erlernt.

Wie hat sich das auf Ihre musikalische Entwicklung ausgewirkt?
SAMUEL: TM ist gut für die Koordination zwischen Körper und Geist. Aber die Meditation formt ja die ganze Persönlichkeit und den Gestaltungswillen. Man erkennt, was man mit der Musik zum Ausdruck bringen möchte und kann das dann auch umsetzen.

Wie planen Sie Ihre Zukunft?
LAURA: Wir streben das künstlerische Diplom an, danach ein Aufbaustudium und abschliessend das Konzertexamen. Parallel wird es Konzerte geben. Wir wollen die Musik zu unserem Beruf machen und da ganz nach oben kommen.

UC